Beim Blättern in den Bildern habe ich Photos vom Radlagerwechsel gefunden, den ich vor einigen Jahren am Espace durchführte. Ich entsinne mich leider nicht mehr an alle kleinen Fallstricke, die dabei auftraten. Deswegen ist das keine komplette Anleitung, sondern eher ein Hinweis darauf, was Euch erwartet, wenn Ihr Euch am Radlagerwechsel versuchen wollt. Die Bilder sind von unterschiedlicher Qualität und stammen noch aus der Prä-Smartphone-18MP-Pixel-Ära. Das liegt an den verschiedenen Kameras. Da war IIRC bei der "richtigen" später der Akku leer.

ACHTUNG!
Diese Anleitung soll nicht die beiliegenden Anleitungen/Einbauhinweise ersetzen! Sie soll diese ergänzen.
Diese Anleitung soll auch keine Gehirnfunktionen der sie Befolgenden ersetzen.
Diese Anleitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Korrektheit!

Falls Euch das ganze Auto auf den Kopf, oder das Rad während der Fahrt abfällt, oder bei Bremsen der Tritt ins Leere erfolgt:

Ich bin nicht Schuld daran!
Jeder sollte selber wissen, was er kann und was er besser sein lassen sollte.
Fahrzeug gegen wegrollen sichern! Böcke verwenden! Niemals nur mit dem Wagenheber anheben!


Das vordere rechte Radlager bei der Espe machte bei um die 240tkm leise Geräusche bei scharfen Kurvenfahrten. Damit hätte man sicher noch lange fahren können, aber ich wollte da langfristig kein gefressenes Radlager riskieren. Das kommt ja immer dann, wenn man es nicht braucht.

Wie gesagt: Hier nur die Arbeitsschritte und nicht eine Anleitung, wie man diese durchführt. Das sollte man halt schon alles wissen, bevor man sich an so eine Reparatur "traut".

Das Radlager war ein deutsches Fabrikat. Hatte ich beim lokalen Dealer geordert. Als er das schwere Päckchen über den Tisch schob, meinte er nur: "Das ist mal ein Radlager!".
Ja, das ist etwas größer als bei einem Bobbycar, stimmt schon.

Aaachtung! Dies ist ein offenes Radlager! Äusserst sauber arbeiten, sonst ist das Lager gleich wieder defekt! Keinerlei Sand und Staub an die Ersatzteile gelangen lassen!
Ich habe vor den Arbeiten die Arbeitsumgebung mit Wasser abgespritzt, das bindet den Staub und Dreck. Ihr seht ja, dass die Radaufhängung und der Boden nass sind.

Als erstes: Radkappe und ggf. Deckel vor der Achsschraube entfernen und diese ggf. mit einer Verlängerung lösen. Dabei, um die Nuss nicht zu verkanten, ggf. einen Unterstellbock o.ä. unter den Ratschenkopf stellen. Geht die Ratsche dabei kaputt, hättest Du lieber doch ein Gelenkstück verwendet. :-D

Radmuttern lösen, Karre anheben und aufbocken.
Felge entfernen.

Bremssattel
(Bremssattel entfernen, ist von hinten mit zwei Schrauben am Federbein verschraubt)

Richtig erkannt: Das ist der J637, der Vierzylinder. Der V6 hat eine Radschraube mehr. Der Austausch geht aber analog dazu.

Antriebswellenmutter
(Achsmutter jetzt ganz entfernen)

Radlagerplatte
(Radlagerplatte abziehen)

Gegenstück
(Gegenstück entfernt, dazu äusserst vorsichtig eingeflext um die Spannung aus dem Ring zu bekommen und hebeln zu können, Gegenstück keinesfalls beschädigen!)

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich habe keinen Plan mehr, wie ich das Ding letztlich entfernt habe. Irgendeine Mischung aus Fluchen, flexen und erhitzen war es wohl.

Spritzschutzplatte
(Spritzschutzplatte entfernen, Schrauben dürften festgegammelt sein, Caramba benutzen)

Wenn das nicht hilft und die Torxe und Nüsse die Köpfe kaputtdrehen: Schraubenkopf einflexen und mit einem sehr großen und flachen Schraubenzieher rausdrehen. Hatte bei mir bei fast allen Schrauben geholfen. Flext halt den Kopf nicht gleich ganz weg.
Muss ich erwähnen, dass man dann die kaputten Schrauben nicht wieder einsetzt? Kommt jemand auf so eine Idee?
War ne rein rhetorische Frage...

Wie dem auch sei: Mir ist eine Schraube direkt abgerissen. Die andere hatte einen runden Kopf. Schnauze voll, bleiben die halt drin. Einen Ausdreher habe ich eh nicht.
Nun ist guter Rat teuer. Die Reste der Schrauben verhindern, dass sich das Radlager ausschlagen lässt. Kacke.

Radlagergehäuse entfernen
(Radlagergehäuse entfernen, ist festgegammelt, mit Caramba eingeweicht, mit Hammer versucht rauszuklopfen, klappt nicht, Antriebswelle mit Lappen schützen)

Radlager aufflexen
(Und bist Du nicht willig... Radlager aufflexen, vorsichtig arbeiten! Da habe ich schon den Rand des Sitzes getroffen, ich Trampel!)

radlager flex
(zärtlich weiter aufflexen, Federbein dabei nicht beschädigen! Linken unteren Schraubenkopf abgeflext, nicht probiert auszudrehen)

Radlagerreste mit leichten bis mittelschweren Hammerschlägen lösen.

Radlager offen
(Na bitte, Radlager offen, Haltebolzen rausschrauben – nein die Kugeln sind beim Öffnen rausgefallen, die waren nicht einfach "weg")

radlager offen
(Radlager entfernt, Sitz nun reinigen)

neues Radlager
(Neues Radlager einsetzen, Spritzschutz anbringen, sieht doch tacko aus)

Da sieht man die gut Schrauben, die ich ersetzen musste. Die anderen habe ich so gelassen, da ich nicht damit rechnete, dass der Espe weitere 240tkm gegönnt wären.
Mittlerweile sind die J63 alle schon erhaltenswerte Youngtimer. Da könnte man darüber nachdenken, die Schrauben zu ersetzen, die Leitbleche zu entfrosten und zu lackieren, sowie auch das Federbein etwas aufzuhübschen.

einpressen
(Lagerschalel Radlager gerade(!) auf Radhalteplatte pressen)

halteplatte
(Lagerschale Radlager in Radhalteplatte aufpressen. Ist nicht schwer, aber von Hand doch zu schwer)

aussenteil eingepresst
(Lagerschale aufgepresst, der Rest kommt beim Anziehen der neuen Achsmutter. Sicherungssplint? Selbstsichernd? Keine Ahnung mehr!)

Dichtring
(Dichtring muss schliessen)

dichtring geschlossen
(Dichtring schliesst)

Die Achsmutter bekommen, wenn ich mich recht entsinne, sagenhafte 210 Nm Anzugsmoment. Oder 220? Irgendwas absurd hohes jedenfalls.
Euer Drehmomentschlüssel wird dieses Anzugsmoment nicht liefern. Auch die Werkstatt, die ich fragte, ob sie die Achsmutter nachziehen könnten, hatte keinen so großen Drehmomentschlüssel. Die meinten: "Wir ziehen an, bis es nicht mehr geht.". Ach ja? Oha, oh weh! Ich mache das natürlich nicht so. Also den Schlüssel Pi mal Daumen über die 200er-Markierung gedreht und vorsichtig angezogen.

Nochmal: Auf "Kleinigkeiten" wie das Sichern der Achsmutter oder die De-/Montage des Bremssattels gehe ich hier nicht ein. Das sind Basics für den Hobbyschrauber. Wenn Ihr nicht wisst, was ich damit meine, dann lasst es! Fangt nicht an irgendwas zu basteln, wenn Ihr keinen Plan davon habt. Lasst es Euch dann lieber in der Werkstatt durch eine Fachkraft einbauen. Das kostet nun wirklich nicht die Welt.

Das Radlager hielt nach diesen Arbeiten die nächsten 100.000 km, bis die Espe von einem grenzdebilen Schwachko... äh... unaufmerksamen Verkehrsteilnehmer final abgeschossen wurde.

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