Tipps und Tricks zum digitalisieren von alten VHS-Kassetten:

Welche Geschmacksrichtung man bei den Schnittprogrammen wählt ist egal. Ob Magix Video X7 Pro (oder kleiner), Open Shot oder Final Cut X, ist letztlich egal und vom Betriebssystem abhängig.
Hier geht es um die grundlegenden Dinge, quasi eine FAQ zum Grabben von Videokassetten.

Meine persönlichen Erfahrungen aus den ganzen Digitalisierungen der alten S-VHS-Bänder – andere mögen andere Erfahrungen gemacht haben. Oder um es mit dem Mitarbeiter eines sehr bekannten Grabberproduzenten zu sagen: "In den Foren sehen manche Leute Dinge im Material, die wir hier nicht nachvollziehen können.". Ich bin jedenfalls mit der Stabilität, der Farbreinheit und Schärfe des Bildes mehr als zufrieden. Meine Kombination aus Mitsubishi E82 und einem MSI Movie Vox Mini mit Empia 2681-Chipset funktioniert sehr gut. 

Man muss da natürlich immer wieder die Frage aufwerfen, ob alle Sichgeräte farbkalibirert wurden. Und selbst wenn das der Fall ist, weiss man nachher nicht, wie das Bild bei der Uroma auf ihrem itschig-bunt eingestellten Samsung Flatscreen aussieht. Das "perfekte Bild" wird es eher selten geben. Und es geht am Ende auch nicht um den letzten Tonwert, sondern um die Inhalte der Bänder und die Erinnerungen.

Im Videobereich ist soviel (Aber-)Glaube wie im HiFi-Bereich unterwegs. Aber wenn für diese Leute das Ergebnis stimmt, dann sollen sie es eben so machen. Mein Ansatz ist da pragmatischer, deswegen hier meine grundsätzlichen Tipps:

  • Beeilt Euch, wenn Ihr noch was sichern wollt! Die Qualität nimmt mit zunehmendem Alter rapide ab!


    (VHS-C-Kassette in einem VHS-Adapter)

  • Die Bänder stehend lagern! Niemanls liegend! Damit wird die Synchronspur beschädigt! Bei gleichbleibend niedriger Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind die am Besten aufgehoben.
  • Bänder, die Ihr bereits mit einem neuen Video überspielt habt, sehen jetzt schon grottig aus! Vor allem der Ton(!) leidet! Auch wenn das HiFi-Stereo-Ton war.

  • Wenn Ihr keinen Recorder mehr habt, dann kauft Euch einen guten alten (baugleichen) von Panasonic, Blaupunkt, Bauer oder Mitsubishi. Die, bei denen das Laufwerk nicht mittig sitzt. Da ist die Mechanik teils noch aus Druckguss. Alternativ sind auch noch die Profi-Geräte von JVC erste Wahl.


    (Innenleben des Mitsubishi E82 S-VHS-Recorders)

  • Die Kopftrommel nie mit Q-Tipps oder Zewa reinigen. Nehmt ein einfaches Kopierpapier, tränkt es mit etwas Spiritus und haltet es an die Kopftrommel, während Ihr diese dreht. Wiederholt diesen Vorgang, sobald "Fische" im Bild auftauchen.

  • Lasst den VCR warm werden! Spielt ruhig ein (unwichtiges/leeres) Band einmal ab.

  • Spult das Band ruhig ein- oder zweimal vor und wieder zurück, wenn Ihr durch das Schaufenster seht, dass es unsauber gewickelt wurde.


    (Schlecht aufgewickeltes Band)

  • Nehmt gute Kabel, am besten "S-VHS"-Kabel. Vergoldete Kontakte sind nicht zwangsweise Zeichen eines guten Kabels. :-)

  • Kurze Wege: direkt vom VCR in den Grabber, nichts dazwischenstecken, was das Bild "optimieren" soll.

  • Ein einfacher Grabber reicht aus. Ich habe so einen einfachen von MSI mit Empia-Chipset. Ähnliches liegt den meisten Paketen eh bei. Grabber mit HDMI- oder RGB-Eingang bringen keinen Vorteil. Kaum ein VCR hat so einen Ausgnag.


    (MSI Movie Vox Mini mit Empia 2681-Chipset, welchem seinerzeit eine gute Jitterkorrektur von der c't bescheinigt wurde)

  • Nehmt den Sound ruhig über die On-Board-Soundkarte auf. Das spart bei mir enorm Ressourcen. Warum auch immer.

  • Eine Auflösung von 720x576i ist vollkommen ausreichend. Auch S-VHS hat nur 420 Linien. VHS sogar nur 240! Höhere Auflösungen sind sinnlos und stellen höhere Anforderungen an das System.

  • Lasst die Einstellungen im Programm wie sie vorgegeben sind. Ein Deinterlace ist sinnlos. Das sieht auf dem Fernseher nacher viel besser als am Monitor aus.

  • Nicht an den Bildeinstellungen im Aufnahmeprogramm rumfummeln. Das kann man auch alles hinterher noch ändern, wenn dies nötig sein sollte. Maximal die Helligkeit einen Hauch runterdrehen.

  • Nehmt Bildeinstellungen am Recorder vor, falls er dies unterstüzt.





  • Nehmt das neueste Band zuerst, dann seht Ihr wie gut die Qualität sein kann. Beim ältesten Band fangt Ihr sonst an zu "optimieren". Das ist Zeitverschwendung. Wo keine Qualität ist, kann auch mit Haushaltsmitteln und -budget keine hergezaubert werden. Ausserdem nudelt Ihr bei Euren Versuchen nur das Band weiter ab. Jede Abspielung macht das Band schlechter, wenn nicht sogar unbrauchbar!

  • Lasst die Bildstörungen am unteren Rand und ggf. an den Seiten (vom Digital Image Stabilizer meiner Panasonic S-VHS-Kamera) ruhig dran. Die waren früher auch da, nur sah man die nicht durch den Overscan. Heute ist das Fernsehbild eben Pixelgenau auf allen Geräten gleich weit sichtbar. Nach einigen Sekunden achtet man da nicht mehr drauf. Besser als ein schwarzer Rand um das Bild, wie es Magix macht. Und viel besser, als in das Bild zu zoomen, dadurch wird es nur unscharf. Ein bisschen VHS-Flair schadet nicht. :-)



Anmerkung: Die Bildqualität bitte ich zu entschuldigen, die Bilder habe ich mit meinem Handy (Lenovo K3 Note) gemacht. :-(

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