Nachher ist man immer schlauer – und nachher fehlt dann gerne ausgerechnet dort eine Dose, wo man sie brauchen würde. Man behilft sich mit losen Kabeln hinter den Möbeln, aber das ist keine Dauerlösung. Nachträglich ein Kabel für Sat, Netzwerk oder Strom unter Putz zu legen ist bei einer Renovierung mit einem Bohrhammer schnell gemacht. Aber wie befestige ich das Kabel, wenn keine Kabelschelle in den Hohlkammersteinen halten will?

ACHTUNG:
Ich hafte nicht für Schäden, die Ihr beim Befolgen dieser Anleitung anrichtet. Irrtümer sind ausdrücklich vorbehalten. 
Wenn Euch die Bude abfackelt, Euch die Sat-Schüssel, der Switch oder die Netzwerkkarten explodieren, Ihr eine gefackelt bekommt, Euch beim Einatmen der Klebedämpfe vergiftet, Euch ein Loch mit der Klebepistole ein Loch in den Pulli brennt, oder die Hand an den Kopf klebt: Ich bin nicht schuld! Ich sage nicht: "Macht es genau so!", ich sage nur: "Ich habe es so gemacht". Jeder muss selber wissen, was er da tut.

- Installationszonen (auch bei LAN- oder Sat-Kabeln) nach DIN 18015-3 beachten!

- Statik beachten! In der Regel dürfen keine Mauern unter 30cm Stärke waagerecht geschlitzt werden!
- Elektroinstallationen dürfen nur durch Fachkräfte angeschlossen werden!


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(Hohlmeissel auf Bohrhammer)

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(Wand, aufgestemmt)

Dauernd verbiegen sich die Nägel der günstigen Kabelschellen. Ärgerlich. Gutes Material müsste man haben. Was haben die Elektriker damals im Haus genommen?

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(Fachgerechte Arbeit)

Aha! Die haben auf der Fuge in den Mörtel genagelt. Jo! Beim aufmeisseln genau die Fuge zu treffen ist Glückssache.

Ich habe Zwei-Komponenten-Kleber und auch Powerknete. Es gibt auch Spezialkleber für solche Aktionen, der aber auch zu lange zum Abbinden braucht.
Alles viel zu teuer für so eine Aktion.
Es geht einfacher und billiger:
Heisskleber!

Hierbei bin ich konservativ und nehme nur die Sticks von Pattex. Die halten wenigstens. Das Billig-Zeug ist rausgeworfenes Geld. Das ist meine Erfahrung – ich werde nicht von Henkel für so eine Aussage bezahlt, würde mich aber auch nicht wehren, wenn die mir deshalb einen Kleber-Präsentkorb schicken würden. :-D

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(Kabel mit Heisskleber fixiert)

Oh Gott! Heisskleber könnte chemisch mit dem Kabel reagieren!
Ethylenvinylacetat (Heissklebermaterial) wird auch in der Elektroindustrie (Kabel- und Solarpanelisolation) verwendet und kommt dort zwangsweise auch mit Polyvinylchlorid (PVC, Kabelmantel) in Kontakt. Die Weichmacher in PVC-Kabeln können aber umgekehrt tatsächlich diverse Hartkunststoffe auflösen. PVC selber ist aber sehr resistent und wird z.B. und u.a. nur durch chlorierte Kohlenwasserstoffe, Ester oder starke Oxidatiponsmittel angegriffen.

Die Isolierung geht durch die Hitze kaputt!
Heisskleber verlässt die Düse mit bis zu 200 Grad Celsius, stimmt. Der Schmelzpunkt von chlorinierten PVC (i.d.R. das Mantelmaterial der üblichen Verlegekabel) liegt bei 395 Grad Celsius. Natürlich liegt die dauerhafte Betriebstemepratur dieser Kabel meist nur zwischen 60 bis 90 Grad Celsius. Der Kleber ist aber bereits nach wenigen Sekunden auf Zimmertemperatur abgekühlt. Die Zersetzung von PVC beginnt bei dauerhaften Temperaturen über 180 Grad. Also ist hier alles im grünen Bereich.

Auf Heisskleber hält kein Putz!
Auf PVC, dem Mantelmaterial des Kabels und der üblichen Kabelschellen aber auch nicht. Wo ist also das Problem?

Heisskleber hält nicht auf Steinen!
Ich war auch erst skeptisch, aber das hält absolut super. Einfach in den Abständen wie die Kabelschellen benutzen. Das hält auf jeden Fall, bis das Kabel eingegipst ist.

Warum nicht mit Placken aus Elektrikergips fixieren?
Der braucht aber zu lange zum aushärten. Oder willst Du das Kabel 20 Minuten lang an der Wand festhalten? Da ist man ja Stunden beschöftigt. Und in der Zeit härtet der Rest von dem Gips aus, so dass man jedesmal wieder ein bisschen Gips anrühren muss.

Das macht so kein Elektriker!
Doch, das habe ich ja daher, sonst käme ich ja nicht auf die Idee.


Wenn man nach der Fixierung mit Elektrikergips den Schlitz schliesst, dann beeilt Euch, denn das Zeug bindet extrem schnell ab. Die angegebenen 15 Minuten sind seeehr optimistisch, wenn Ihr den Gips etwas fester anmischt.

Hat aber den Vorteil, dass man nach einer halben Stunde mit der normalen Spachtelmasse die Oberfläche glatt ziehen kann. Mit dem Elektrikergips braucht man das nicht zu versuchen, der ist für die schnelle Aushärtung gedacht, nicht für glatte Oberflächen. Da wir in den meisten Räumen aus "raumklimatechnischen" Gründen den Putz nur mit Silikatfarbe gestrichen haben, würde man jede Macke im Putz sehen. Mit der beschriebenen Methode sieht man nachher rein gar nichts.

Noch ein Tipp: Nicht die fertige Spachtelmasse im Töpfen nehmen, die zieht sich beim Aushärten zu sehr zusammen.


Hinweise:
Warum habe ich keine Schlitzfräse genommen? Ich muss/darf nur das Kabel im Putz verlegen. Die Steine dürfen bei dieser 12er Wand nicht horizontal geschlitzt werden.
Eine Schlitzfräse macht eine riesige Sauerrei und ich muss am Ende doch noch den Streifen Putz wegmeisseln, der stehenbleibt. Mit dem Hohlmeissel ist die Sache aber schnell und sauber erledigt.

Ich wiederhole mich:
- Installationszonen nach DIN 18015-3 beim Kabelverlauf beachten!
- Statik beachten! In der Regel dürfen keine Mauern unter 30cm Stärke waagerecht geschlitzt werden! (Steine, nicht der Putz)
- Elektroinstallationen dürfen nur durch Fachkräfte angeschlossen werden.

 

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