Der Bit 90 hat die Ungnade der späten Geburt. Als er 1984 von der taiwanischen Firma Bit Corporation auf den Markt gebracht wurde, zeigte der C64 bereits wie ein erfolgreicher Computer auszusehen hatte. Die Zutaten für einen Millionenseller waren im orwellschen Jahr sicher kein Speicher von kümmerlichen 18KB und eine Gummitastatur.


(Bit 90)


(verchromtes Typenschild)


(Made in Taiwan - schon, aber wieviele wurden produziert?)

Schade eigentlich, denn der Bit90 bot eine interessante Zusatzfunktion: Eine vollständige Kompatibilität zum Videospiel Coleco Vision! Die Auflösung und Farbtiefe war dadurch natürlich auf 256x192 Pixel bei 16 Farben beschränkt, aber damit war er im unteren Mittelfeld der Mitbewerber angesiedelt. Die CPU-Leitung ging auch in Ordnung, ein Z80 mit immerhin 3,6 MHz fungierte als das Herz des Bit90.

Gut, der C64 war nicht der anvisierte Gegner des Bit90. Die Bit Corporation war eigentlich im Konsolengeschäft zu Hause. So produzierte diese Firma Spiele für das Atari VCS und das NES von Nintendo. Eines der auch hierzulande bekannten Spiele war "Bobby geht heim".


(Oh! Ein Designfehler über dem Coleco-Schacht (Drahtbrücke)

Der Bit90 war also eigentlich eine aufgebohrte Spielekonsole - genau wie sein Vorgänger, der Bit60. Dieser war zum Atari VCS 2600 kompatibel, aber auch der Bit90 lässt sich durch einen Adapter VCS-kompatibel machen. Für mich persönlich stellen dieser Adapter und ein Bit60 den heiligen Gral dar. Das ist Hardware, die mich absolut reizt.

Also gut, der Bit90 ist also eigentlich eine Spielekonsole, ja und ist da sonst nix? Doch schon, zuallererst das grandiose Design: Dunkelgrüne Tasten, schwarz eingefasst und in einem flachen, silbernen Gehäuse untergebracht. Dazu die Typenschilder in Chrom. Das hat schon was! Und allen Gummitastaturhassern sei gesagt: Bessere Tasten dieser Art hatte ich noch nicht unter meinen Fingern.


(sehr gute Gummitastatur)

Jetzt gehe ich noch ein Stück weiter: Für mich ist der Bit90 das MacBook Air unter den Homecomputern. Einzig der Enterprise 64/128 mag ein klein wenig flacher sein, aber diese elegante Selbstverständlichkeit erreicht auch er bei weitem nicht.

Aber auch die inneren Werte waren beachtlich: Das umfangreiche BASIC liess kaum Wünsche offen. Auch wenn man alle Befehle über Shortcuts auf der Tastatur abrufen konnte, so wie bei z.B. Sinclair üblich, war dies nur eine Dreingabe und keine Pflicht, da sich die Befehle auch wie gewohnt eintippen liessen.


(Die verstehen ihr Handwerk: Die Hauptplatine)

Der saubere Aufbau des Bit90 begeistert. Man erahnt, warum auch heute die meisten Notebooks in Taiwan gefertigt werden.

Es gab auch perse Erweiterungen für das Gerät. Darunter natürlich auch dringend nötige Speichererweiterungen. Alle Module liessen sich auch ineinander stecken, so dass man mehrere Erweiterungen zur gleichen Zeit nutzen konnte. Eine prima Sache, von der C64-Eigner seinerzeit nur träumen konnten.


(Interfacekarte für den Drucker)


(Speichererweiterung 16KB))


(Durchgeschleifter Expansionsport)


(Wieviele Karten man wohl hintereinander stecken konnte?)

Tja, alles in allem eigentlich ein traumhaftes Gerät, dem leider der Erfolg versagt blieb. Dafür ist es eben heute ein wirkliches Sammlerstück, dass Konsolen- und Homecomputerinteressierte gleichermassen anspricht.

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